Urologie

Diagnostik: ein neues Verfahren zur Lokalisation des Prostatakarzinoms

Die transrektale oder perineale, ultraschallgezielte Biopsie der Prostata ist nach wie vor Standard für den Nachweis eines Prostatakarzinoms. Dieses Verfahren ist allerdings mit einer hohen Rate von falsch-negativen Ergebnissen verbunden, was wiederum zu Rebiopsien führt. Mit dem Histoscan steht nun ein neues computerunterstütztes Ultraschallverfahren zur Verfügung, mit dem relativ einfach karzinomverdächtige Areale in der Prostata detektiert werden können.

Bioptischer Nachweis des Prostatakarzinoms

Bei Verdacht auf Prostatakarzinom muss ein solches mittels Gewebsentnahme nachgewiesen werden, das Standardverfahren für die Gewebsentnahme ist die transrektale Stanzbiopsie, bei der ultraschallgezielt üblicherweise 12 bis 14 Biopsien (6 bis 7 aus jedem Prostataseitenlappen) entnommen werden. Weil es bei dieser Form der Diagnostik aber eine hohe Rate von falsch-negativen Befunden gibt, stehen wir Urologen häufig vor dem Problem, was bei z.B. weiterhin erhöhtem PSA oder sogar steigendem PSA zu tun ist. Die Befürchtung, ein signifikantes Prostatakarzinom zu übersehen, führt in der Folge zu (oft auch mehreren) Rebiopsien oder Saturationsbiopsien. Damit verbunden ist natürlich eine gewisse Verunsicherung unserer Patienten und überdies ist die Biopsie ein zwar komplikationsarmes, aber dennoch invasives Verfahren. All unsere Bemühungen gehen also in die Richtung, durch bessere bildgebende Verfahren die Treffsicherheit der Prostatabiopsie zu erhöhen.

Elastografie, Farbduplexsonografie, Ultraschallkontrastmittel

Mit der Einführung der Elastografie wurde ein entscheidender Schritt in die richtige Richtung getan. Über eine transrektale Utraschallsonde wird zusätzlich zur Bildgebung auch der Gewebswiderstand in der Prostata gemessen, sodass auf diese Art verdächtige Areale von weniger verdächtigen unterschieden werden können. Ergänzt durch die Farbdopplersonografie konnte so die Trefferquote der Prostatabiopsie deutlich erhöht werden. Die gleichzeitige Verwendung von Ultraschallkontrastmittel hingegen erwies sich als zu aufwendig im Vergleich zur relativ geringen zusätzlichen Aussagekraft.

Der große Nachteil der Elastografie besteht darin, dass das Untersuchungsergebnis sehr stark vom Untersucher beeinflusst wird. Denn je stärker die Ultraschallsonde gegen die Prostata gedrückt wird, des¬to höher wird der gemessene Gewebswiderstandsindex und umso karzinomverdächtiger erscheint die Prostata.

MRT, MRT-Spektrografie

Ein deutlicher Fortschritt wurde mit der Kernspintomografie, insbesondere mit der zusätzlichen Verwendung von Endorektalspulen, erzielt. Speziell was die Lokalisation, Größe und Ausdehnung (Kapselüberschreitung, Samenblaseninfiltration) eines Prostatakarzinoms anbelangt, ist die MRT den anderen bildgebenden Verfahren überlegen. Zusätzlich verbessert wurde diese Bildgebung durch ein eigenes Softwareprogramm, welches biochemische Gewebsunterschiede zwischen Adenom- und Karzinomgewebe detektiert. Diese sogenannte MRT-Spektrografie misst den unterschiedlichen Zitrat- bzw. Cholingehalt von Adenom und Prostatakrebszellen und erhöht somit die Diagnosesicherheit. Für den Nachweis des Prostatakarzinoms ist allerdings auch bei verdächtigem MRT-Befund eine Biopsie unerlässlich. Eine MRT-gesteuerte Biopsie ist aber zeitlich sehr aufwendig (60 bis 90 Minuten) und kostenintensiv, sodass sie sich in absehbarer Zeit nicht als Routineverfahren durchsetzen wird können. Andererseits ist es vor allem bei einer vergrößerten Prostata zum Teil sehr schwierig, ein im MRT suspekt erscheinendes Areal im TRUS exakt einzustellen, weil das Bild der MRT nicht direkt mit dem TRUS-Bild vergleichbar ist.

Histoscan

Beim Histoscan handelt es sich um ein transrektales Ultraschallverfahren, das nicht nur ein herkömmliches Bild der Prostata liefert, sondern – unterstützt durch ein eigens entwickeltes Softwareprogramm – Gewebsunterschiede zwischen Prostataadenom und Prostatakarzinom herausfiltert. Diese Gewebsunterschiede, die für das menschliche Auge nicht wahrnehmbar sind, werden ab einer Größe von 0,5cm3 durch den Histoscan sichtbar gemacht und im Ultraschallbild farblich dargestellt. Die Darstellung erfolgt in 3 Ebenen, der Untersucher erhält also ein dreidimensionales Bild der Prostata mit farblicher Markierung karzinomsuspekter Areale. Die Anwendung des Histoscans ist einfach – es handelt sich ja um einen handelsüblichen TRUS, zusätzlich versehen mit einem Elektromotor, der die Ultraschallsonde gleichmäßig um 180° dreht. Während dieser Drehung wird ein Ultraschallbild der Prostata in 3 Ebenen angefertigt und gespeichert. Die gespeicherten Bilder werden nach der Untersuchung mit der eigens entwickelten Software nachbearbeitet und ausgewertet. Das Untersuchungsergebnis ist weitgehend unabhängig vom Untersucher, auch wenn eine gewisse Erfahrung und Übung nötig ist. Der große Vorteil des Verfahrens liegt in der Tatsache, dass bei einer Stanzbiopsie das Ultraschallbild 1:1 verglichen werden kann mit dem Bild des Histoscans.

Die Zuverlässigkeit dieses neuen Verfahrens muss natürlich erst durch Daten belegt werden. Erste Ergebnisse (z.B. Dr. J. Baeckman, UZ Brüssel) sind jedoch vielversprechend.

Der Histoscan ist ein computerunterstütztes, transrektales Ultraschallverfahren, mit dem karzinomverdächtige Prostataareale ab einer Größe von 0,5cm3 detektiert und biopsiert werden können. Die Treffsicherheit einer Prostatabiopsie kann dadurch deutlich gesteigert werden.

Sollte sich der negativ-prädiktive Wert dieser Methode bestätigen (diesbezügliche Studien sind in Arbeit), steht mit dem Histoscan ein Verfahren zur Verfügung, welches uns hilft, zusammen mit PSA, rektal-digitaler Untersuchung und PCa3 die Indikation für oder gegen eine Prostatabiopsie zu stellen.

Autor: Prim. Dr. Karl Leeb, Abteilung für Urologie, Elisabethinen Linz, E-Mail: karl.leeb@elisabethinen.or.at

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Letztes Update:29 Oktober, 2010 - 07:21